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Anfängerskript

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Skriptum Anfängerkurs Akrobatik Bearbeiten

Wintersemester 2007 von René Rexer

Dieses Skript soll nur als Anleitungshilfe dienen um das im Kurs gelernte nachzuschlagen und zu vertiefen. Zunächst beschreibe ich nur die als „Aufwärmübung“ bekannte Folgevon einfachen Figuren, wobei keine der Figuren über B+ - Niveau hinausgeht. Die Figuren können in Einem durch geturnt werden, wobei die Übergänge hier, wenn überhaupt, nur sehr knapp beschrieben sind.

Die Namensgebung der einzelnen Figuren kann regional sehr stark von einander abweichen, daher ist es nicht schlecht wenn man sich vorher mit dem Partner abspricht ob auch das gleiche gemeint ist. Ich habe versucht mich bei der Namensgebung an die Karlsruher Nomenklatur zu halten, es ist aber nicht ausgeschlossen, dass auch Tübinger Bezeichnungen vorkommen. Ich bitte mir dieses zu berichten, es wird dann umgehend berichtigt.

Mein besonderer Dank geht hierbei an meine Akrobatikpartnerin Ulrike Altenberend die mit mir zusammen diese Übung in Tübingen entwickelt hat, und an meine derzeitige Akrobatikpartnerin Ruth die für die Griff-Fotos Modell stand. Besonderer Dank geht an meine Akrobatikpartnerin Katharina Wagner, die mit mir die Fotos gemacht hat und geholfen hat diese Übung zu verfeinern.

Kapitel: GrundlagenBearbeiten

Akrobatik als „Breitensport“ ist überall in Deutschland weit verbreitet. Zumeist an Uni-Standorten wird im Rahmen des Hochschulsports Akrobatik angeboten. Aber so groß die Vielzahl der Möglichkeiten auch ist, so groß sind auch die Unterschiede in der Technik. Einige „Standards“ haben sich durchgesetzt, diese zumeist aber nur weil schlicht die Physik und der menschliche Körperbau es nicht anders zu lassen. So ist ein einfacher Flieger am stabilsten wenn die Hüfte (der Unterperson) ganz auf der Matte aufliegt.

Ich habe für mich und meinen Anfängerkurs versucht einige grundlegende Standardtechniken definiert und vermittelt. Dabei stütze ich mich auf die große Vielzahl von unterschiedlichen Techniken, auf die, meiner Meinung nach, gelenkschonensten Varianten und auf meine langjährige Erfahrungen. Grundlegend gilt, der bei dem die Figur klappt hat Recht! Unabhängig von der Technik. Diese Techniken sind nur ein Vorschlag und ich bin für Kritik und Verbesserungsvorschläge dankbar.

AllgemeinBearbeiten

KörperschwerpunktBearbeiten

Akrobatik ist auch nichts anderes als angewandte Statik, daher sind einige physikalische Grundbetrachtungen leider unumgänglich. In der Statik gibt es einen Grundsatz, der besagt, dass eine Konstruktion solange stabil ist, solange der gemeinsame Schwerpunkt über der Standfläche liegt. Sprich, solange mein Schwerpunkt sich innerhalb der von meinen Füßen gebildeten gemeinsamen Standfläche befindet falle ich nicht um! Daher ist es unerlässlich das die Unterperson den Schwerpunkt der Oberperson ständig kontrolliert und über der eigenen Standfläche hält.

Als Beispiel dient hier der einfache Flieger, wandert der Schwerpunkt der Oberperson weg von der Hüfte der Unterperson in Richtung ihrer Beine, so steht diese unweigerlich auf und die Figur geht ab. Wo aber liegt dieser ominöse Schwerpunkt und wie kann ich ihn kontrollieren, vor allem wie kann ich den Schwerpunkt meiner Oberperson kontrollieren? Der Köperscherpunkt jedes gerade stehenden oder gerade liegenden Menschen liegt im Bereich des Beckens. Bei Frauen liegt der Schwerpunkt in der Regel ca. 2 cm tiefer als bei Männern. Dabei ist die Körperform zunächst unerheblich. Da aber Muskeln ca. 10% schwerer sind als Fett (und da Muskeln sich auch häufig an Stellen vergrößern die sich nicht in der Nähe des Schwerpunktes befinden), kann der Schwerpunkt vor allem bei stark trainierten Personen nach oben rutschen.

Zur Kontrolle des Schwerpunktes sind im Wesentlichen die unteren Bauchmuskel und der Hintern notwendig. Wenn man den Hintern zusammenkneift und die unteren Bauchmuskel anspannt, verhindert man, dass der Oberkörper zum Unterkörper abknicken kann. Man wird dadurch steif oder wie die Tänzer sagen: man hält Spannung. Idealerweise wird man so steif, dass man wie ein Brett herumgetragen werden kann. Dies ist die wichtigste Möglichkeit den eigenen Schwerpunkt zu kontrollieren, also an einer bestimmten Position zu halten. Grundsätzlich sollte man versuchen die Schultern, die Hüfte, die Knie und die Fußgelenke in einer Achse zu halten.

Wenn nun die Oberperson eine solche Haltung eingenommen hat, ist die nötige Voraussetzung geschaffen für die Unterperson den gemeinsamen Schwerpunkt zu kontrollieren. Die Unterperson muss sich zunächst eine geeignete Standfläche schaffen, sprich das Steißbein ablegen beim Flieger, einen sicheren Stand bei Hohen Flieger einnehmen oder die Knie über die Füße bringen bei allen halbhohen Figuren. Wenn jetzt die Unterperson die Oberperson genau an deren Schwerpunkt unterstützt kann sie den gemeinsamen Schwerpunkt optimal kontrollieren. Durch das 'steif Machen' der Oberperson schafft diese eine stabile Ebene für die Unterperson, in der die Drehmomente sich nicht dynamisch ändern. Sprich, eine spontane Änderung der Körperform der Oberperson, z.B. durch Anziehen der Knie, erzeugt ein plötzliches, starkes Drehmoment, welches die Unterperson nicht ausgleichen kann.

Was genau bedeutet jetzt 'steif Machen'?Bearbeiten

Steif machen erfordert eine Anspannung aller Muskeln im Körper. Allerdings bedeutet es nicht sich zu verkrampfen. Grundsätzlich neigen Anfänger dazu sich derart zu verkrampfen, dass sie sogar die Luft anhalten. Dies ist nicht erforderlich! Durch einige kleine Tricks kann man eine Grundanspannung erhalten. Diese gilt es dann durch gezieltes An- und Entspannen einzelner Muskeln zu erhalten. Die optimale Körperspannung ist erreicht, wenn man ganz normal reden kann und dabei optimal Steif und Gerade ist. Fangen wir mit dem Kopf an. Die Kopfhaltung bedingt den Rücken. Neigt man der Kopf nach vorne auf die Brust beugt man die Schulterpartie leicht nach vorne und man macht einen leichten Buckel. Ebenso geht man leicht ins Hohlkreuz wenn man den Kopf nach hinten neigt. Daher sollte man den Kopf immer gerade halten und frei geradeaus blicken. So hat man die optimale Rückenform. Um nun diese Form zu versteifen, nimmt schiebt man die Schulterblätter zusammen und die Schultern nach unten. Danach kontrolliert man den Schwerpunkt wie oben beschrieben. Wenn man jetzt noch die Zehen streckt, spannt man automatisch die Waden an und erzielt somit eine optimale Ganzkörpersteifheit. Um jetzt bewusst Muskeln an- bzw. entspannen zu können bedarf es einiger Übung und Körperbewusstseins. Die im Kapitel Vorübungen beschriebenen Übungen helfen hierbei.

GriffeBearbeiten

Zunächst möchte ich drei verschieden Griffe vorstellen, die das Handgelenk schonen und dennoch die maximale Kontrolle ermöglichen. Trotzdem ist es unerlässlich die Handgelenke vor jedem Training optimal zu dehnen und aufzuwärmen.

Griff 1: Stehen in den HändenBearbeiten

Beim Stehen in den Händen ist es wichtig, dass die Oberperson das Fußgelenk nicht bewegt. Die Kontrolle über die Lage der Oberperson obliegt der Unterperson. Daher ergeben sich zwei Hauptproblem; Zum einen muss sich die Oberperson „Wohlfühlen“, d.h. der Griff muss fest sein, aber nicht zu fest und er muss einen guten und unverkrampften Stand ermöglichen. Zum anderen darf das Handgelenk der Unterperson nicht über Gebühr belastet werden und sie muss die Kontrolle über die Oberperson haben mit minimalstem Kraftaufwand. Daher sollte die Unterperson die Lagekontrolle der Oberperson möglichst nur mit dem Unterarmmuskel durchführen können. Dieser Muskel ist in der Lage am meisten Kraft aufzubringen. Das Bild zeigt die optimale Handhaltung.

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opimale Handhaltung

Der Handrücken bildet eine Linie mit dem Bizeps in Richtung Schulter. Dabei wird die Handfläche abgewinkelt bzgl. des Handgelenkes. In Etwa so, als ob man versuchen würde einer Person, die auf den Zehenspitzen steht, unter die Ferse zu greifen. Der Zeigefinger wird hierbei um die Ferse gelegt, er ist es der nachher die hauptsächliche Lagekontrolle übernimmt. Durch hoch und runter Bewegen des Zeigefingers wird der Winkel des Fusses verändert und die Oberperson kippt nach vorne oder hinten. Der Daumen, der Mittel-, Ring- und der kleine Finger umschließen der Fuß und geben Seitenhalt:
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Griff des Fußes, Sicht von vorn

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Griff des Fußes, Sicht von hinten

Durch die Schrägposition der Handfläche wird das Gewicht direkt auf den Unterarm abgeleitet und die Handgelenke werden geschont. Bei optimaler Handhaltung sind Unterschenkel der Oberperson und Unterarm der Unterperson in einer Linie.

Griff 2: BrettBearbeiten

Beim Brett handelt es ich um einen Flieger mit dem Bauch nach oben. Dies erfordert für die optimale Balance die Unterstützung der Oberperson am Steiß. Dies entspricht der Unterstützung am Schwerpunkt. Dabei unterstützt nur die Daumenwurzel das Steißbein. Der Daumen und die anderen Finger werden gespreizt und ermöglichen so die optimale Balance der Oberperson (siehe Bilder).
1.2.4.JPG

Griffposition für das Brett

1.2.5.JPG

Balancieren des Brettes

Ähnlich dem Griff eines Handballers beim fangen eines Balles. Hierbei kann die Handfläche nur sehr, sehr wenig nach oben aus 90° Grad abgewinkelt werden, da sonst eine Balance nicht möglich ist. Dennoch ist durch die Unterstützung am Steiß die optimale Kraftübertragung auf die Unterarme gegeben.

Auch hier erfolgt die Lagekontrolle durch Heben und Senken der Zeige- und Mittelfinger.

Griff 3: Hoher FliegerBearbeiten

Beim Hohen Flieger entspricht der Griff im Wesentlichen dem Griff 2. Auch hier wird versucht mit den Daumenwurzeln die Oberperson am Schwerpunkt zu unterstützen. Da ein direkter Druck auf den Unterleib Schmerzen verursacht wir der Griff hier etwas „steiler“ ausgeführt, d.h. der Zeigefinger zeigt annähernd parallel zum Oberschenkel und die Daume berühren sich kurz unterhalb des Bauchnabels (siehe Bild).
1.2.6.JPG

Griffposition für den hohen Flieger

Sobald die Oberperson im Hohen Flieger ist, übernehmen der Ringfinger und der kleine Finger die Aufgabe der seitlichen Stabilisation. Der Zeigefinger übernimmt wiederum die Lagekontrolle. Dem Mittelfinger kommt hierbei keine klar definierte Aufgabe zu, er dient zum einen der Lagekontrolle, wie auch der seitlichen Stabilisation (siehe Bild).
1.2.7.JPG

Griff wärend des hohen Fliegers

Die Bewegung des Zeigefingers erfolgt auch wieder über den Unterarm. Auch hier ist die gleiche Kräfteableitung wie bei Griff 2 gegeben.

RenéR 07:19, 9. Apr. 2008 (UTC)

siehe auch Bearbeiten

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